ChatGPT · DSGVO

ChatGPT und Datenschutz im Unternehmen: was gilt nach DSGVO?

Nutzt Ihr Unternehmen ChatGPT mit personenbezogenen Daten, brauchen Sie eine Rechtsgrundlage, einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung, wenn OpenAI in Ihrem Auftrag handelt, und eine Grundlage für Übermittlungen außerhalb der EU. Für Business, Enterprise und Edu schreibt OpenAI, dass es die Daten standardmäßig nicht zum Training nutzt. Den Vertrag von OpenAI konnten wir nicht lesen.

Simon OrzelSimon Orzel·

Darf ein Unternehmen ChatGPT nach der DSGVO nutzen?

Ja, die DSGVO verbietet kein bestimmtes Programm. Sie regelt, wie Ihr Unternehmen personenbezogene Daten verarbeitet, also alle Angaben zu einer bestimmten oder bestimmbaren Person (Art. 4 Nr. 1 DSGVO).

Solche Daten landen leicht in ChatGPT: eine Kundenmail zum Umformulieren, eine Liste mit Namen, die Konten Ihrer Beschäftigten bei OpenAI. Auch eine Antwort kann personenbezogene Daten enthalten, wenn die Frage keine enthielt, schreibt die Datenschutzkonferenz (DSK) in ihrer Orientierungshilfe zu KI (Rn. 52).

Für jeden Schritt, in dem ChatGPT personenbezogene Daten verarbeitet, braucht Ihr Unternehmen eine Rechtsgrundlage nach Art. 6 Abs. 1 DSGVO. Für Gesundheitsdaten und die anderen besonderen Kategorien gilt zusätzlich Art. 9.

Art. 4 Nr. 1 · Art. 6 Abs. 1 · Art. 9 Abs. 1 DSGVO

Welcher ChatGPT Plan ist für Firmendaten gedacht?

OpenAI nennt die Pläne Free, Go, Plus, Pro, Business, Edu und Enterprise. Für Arbeitsbereiche in Business, Enterprise und Edu schreibt OpenAI in seiner Dokumentation für Admins: Die Daten sind bei der Übertragung und im Speicher verschlüsselt und werden standardmäßig nicht zum Training der Modelle von OpenAI genutzt (Stand Oktober 2026).

Für die API, über die eigene Programme die Modelle von OpenAI direkt ansprechen, schreibt OpenAI: Seit dem 1. März 2023 dienen Daten an die API nicht zum Training, es sei denn, Sie stimmen ausdrücklich zu. Protokolle zur Missbrauchskontrolle, die auch Eingaben und Antworten enthalten können, bewahrt OpenAI standardmäßig bis zu 30 Tage auf.

Für Free, Go, Plus und Pro stehen die Regeln zum Training auf Seiten von OpenAI, die wir am 16. Oktober 2026 nicht öffnen konnten. Die DSK rät ohnehin, für die berufliche Nutzung betriebliche Konten und Geräte bereitzustellen, damit niemand mit privaten Konten arbeiten muss (Rn. 41).

Brauchen Sie einen AVV mit OpenAI?

Verarbeitet OpenAI personenbezogene Daten in Ihrem Auftrag, ist es Ihr Auftragsverarbeiter (Art. 4 Nr. 8 DSGVO). Dann brauchen Sie einen Vertrag nach Art. 28 Abs. 3, kurz AVV, den Sie auch elektronisch schließen können (Art. 28 Abs. 9). Bei KI aus der Cloud sieht die DSK häufig genau dieses Verhältnis (Rn. 32).

Der Vertrag legt unter anderem fest, dass OpenAI nur auf Ihre dokumentierte Weisung verarbeitet (Art. 28 Abs. 3 Buchst. a). Entscheidet ein Auftragsverarbeiter unter Verstoß gegen die DSGVO selbst über Zwecke und Mittel, gilt er dafür als Verantwortlicher (Art. 28 Abs. 10). Deshalb gehört die Frage nach dem Training zur Prüfung.

Auf seinem Trust Portal schreibt OpenAI, es könne mit Kunden einen DPA schließen, und verweist auf ein Formular dafür und auf seinen Data Processing Addendum unter openai.com/policies. Den Text konnten wir nicht lesen: openai.com verweigerte uns am 16. und 17. Oktober 2026 den Zugriff. Was er regelt und für welche Pläne er gilt, prüfen Sie in Ihrem Vertrag mit OpenAI.

Art. 4 Nr. 8 · Art. 28 Abs. 3, 9 und 10 DSGVO

Was gilt, wenn die Daten die EU verlassen?

Eine Übermittlung in ein Land außerhalb der EU ist nur unter den Bedingungen der Art. 44 ff. DSGVO erlaubt, etwa mit einem Angemessenheitsbeschluss der Kommission (Art. 45) oder mit ihren Standarddatenschutzklauseln (Art. 46 Abs. 2 Buchst. c), meist Standardvertragsklauseln genannt.

Für die API bietet OpenAI eine Region „Europe (EEA + Switzerland)“ für Speicherung und Verarbeitung, nach Freigabe durch OpenAI und ohne Systemdaten wie Konto und Abrechnung. Für ChatGPT hängt die Datenresidenz laut OpenAI von Vertrag, Region und Einstellungen ab; die Hilfeseite dazu konnten wir nicht öffnen.

Auf welche Garantie sich Übermittlungen bei OpenAI stützen, konnten wir nicht prüfen. Fragen Sie danach. Das Drittland gehört in Ihr Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten (Art. 30 Abs. 1 Buchst. e), die Garantie in Ihre Datenschutzinformation (Art. 13 Abs. 1 Buchst. f).

Art. 44 · Art. 45 Abs. 1 · Art. 46 Abs. 2 Buchst. c · Art. 13 Abs. 1 Buchst. f · Art. 30 Abs. 1 Buchst. e DSGVO

Ein Beispiel, und was oft schiefgeht

Die Kemper Lohse GmbH, ein erfundener Hersteller von Förderbändern, will ChatGPT im Vertrieb nutzen. Sie richtet einen Business Arbeitsbereich ein und legt schriftlich fest: Angebote und Produkttexte ja, Bewerbungen und Personalakten nein.

Danach ergänzt sie ihr Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten um OpenAI als Empfänger und die Übermittlung mit dem Drittland (Art. 30 Abs. 1 Buchst. d und e). Ihre Datenschutzinformation für Kunden nennt die Empfänger und die Garantie für die Übermittlung (Art. 13 Abs. 1 Buchst. e und f).

Häufige Fehler: Beschäftigte nutzen weiter private Konten. Namen werden gestrichen, als sei der Text damit anonym; die DSK hält das regelmäßig für unzureichend, weil der Zusammenhang die Person verraten kann (Rn. 49). Und eine KI, die Bewerbungen auswertet und Einladungen selbst verschickt, verstößt nach der DSK gegen Art. 22 Abs. 1 (Rn. 13).

Art. 13 Abs. 1 Buchst. e und f · Art. 22 Abs. 1 · Art. 30 Abs. 1 DSGVO

Mit einem KI Assistenten

Ein Assistent wie ChatGPT oder Claude kann diese Prüfung vorbereiten. Er gleicht einen Vertrag, der Ihnen vorliegt, mit Art. 28 Abs. 3 ab, entwirft einen Eintrag für Ihr Verzeichnis und formuliert eine Nutzungsregel für Beschäftigte.

Welcher Plan, welche Daten erlaubt sind und ob der Vertrag passt, entscheidet Ihr Unternehmen als Verantwortlicher (Art. 5 Abs. 2). Geben Sie dem Assistenten dafür Verträge und Richtlinien, keine Personaldaten, denn was er liest, verarbeitet sein Anbieter mit.

Ein DSGVO Durchgang auf nisd2.eu ist in Arbeit, mit demselben MCP Server wie der NIS 2 Durchgang. Über diesen Server trägt ein KI Assistent heute Angaben in den NIS 2 Durchgang ein, mit den Rechten der Person, die ihn verbunden hat.

Was der NIS 2 Durchgang davon schon festhält

Ist Ihr Unternehmen von NIS 2 betroffen, steht ChatGPT im Durchgang schon als Programm und OpenAI als Lieferant; für die DSGVO ist das Ausgangsmaterial.

2.2 Aufschreiben, was Ihr Unternehmen hat: Auf „Programme, die alle nutzen“ haken Sie „KI-Assistenten (ChatGPT, Microsoft Copilot)“ an. Auf „Welches Programm genau, und von wem?“ schreiben Sie unter „Was genau“ den Plan, etwa ChatGPT Business, und unter „Von wem“ OpenAI.

5.1 Aufschreiben, wer für Sie arbeitet: Wen Sie in 2.2 als Anbieter nennen, steht schon auf „Ihre Lieferanten“. Unter „Was er für Sie tut“ halten Sie fest, wofür Ihre Leute ChatGPT nutzen und welche Daten es sieht.

Wo der Durchgang aufhört: Ob OpenAI Ihr Auftragsverarbeiter ist, auf welcher Rechtsgrundlage Sie Daten eingeben und auf welche Garantie sich eine Übermittlung stützt, fragt keiner dieser Bildschirme. Das gehört in Ihr Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten und Ihre Datenschutzinformation.

Häufige Fragen

Ist ChatGPT DSGVO konform?

Die DSGVO prüft Verarbeitungen, also wie Ihr Unternehmen ChatGPT einsetzt. Dafür zählen die Rechtsgrundlage, der Vertrag mit OpenAI, Übermittlungen außerhalb der EU und Ihre internen Regeln. Für Business, Enterprise und Edu schreibt OpenAI, dass es die Daten standardmäßig nicht zum Training nutzt; die übrigen Prüfungen bleiben bei Ihnen.

Darf ich Kundendaten in ChatGPT eingeben?

Dafür brauchen Sie eine Rechtsgrundlage (Art. 6 Abs. 1 DSGVO) und, wenn OpenAI in Ihrem Auftrag handelt, einen Vertrag nach Art. 28. Geben Sie nur ein, was der Zweck braucht (Art. 5 Abs. 1 Buchst. c), und nennen Sie die Empfänger in Ihrer Datenschutzinformation (Art. 13 Abs. 1 Buchst. e).

Nutzt OpenAI meine Eingaben zum Training?

Für ChatGPT Business, Enterprise und Edu schreibt OpenAI: standardmäßig nein. Für die API gilt seit dem 1. März 2023 dasselbe, solange Sie nicht ausdrücklich zustimmen. Für Free, Go, Plus und Pro konnten wir die Regeln nicht lesen, weil die Seiten von OpenAI am 16. Oktober 2026 nicht abrufbar waren.

Muss ChatGPT ins Verarbeitungsverzeichnis?

Ja, wenn Ihr Unternehmen damit personenbezogene Daten verarbeitet und ein Verzeichnis führen muss. Es nennt die Empfänger, auch in Drittländern, und die Übermittlungen dorthin (Art. 30 Abs. 1 Buchst. d und e DSGVO). Wann ein Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern davon befreit ist, regelt Art. 30 Abs. 5; unser Artikel zum Verarbeitungsverzeichnis erklärt die Ausnahme.

Ist Microsoft Copilot dasselbe wie ChatGPT?

Nein. Copilot ist ein Dienst von Microsoft, der auch Modelle von OpenAI nutzt; Microsoft nennt OpenAI dafür als Unterauftragsverarbeiter. Für Copilot, wie Organisationen ihn nutzen, gelten laut Microsoft sein Data Protection Addendum und die Product Terms, mit Microsoft als Auftragsverarbeiter (Stand Oktober 2026).

Weiterlesen

Quellen

  • Verordnung (EU) 2016/679 (DSGVO), Art. 4, 5, 6, 9, 13, 22, 28, 30 und 44 bis 46, ABl. L 119 vom 4.5.2016, CELEX 32016R0679, publications.europa.eu
  • OpenAI, Data controls in the OpenAI platform, developers.openai.com/api/docs/guides/your-data, Stand Oktober 2026
  • OpenAI, ChatGPT Work cloud security, learn.chatgpt.com/docs/enterprise/chatgpt-work-cloud-security, und Trust Portal, trust.openai.com, Stand Oktober 2026; openai.com/policies und help.openai.com waren am 16. und 17.10.2026 nicht abrufbar
  • Microsoft, Enterprise data protection in Microsoft Copilot und Microsoft Copilot privacy, learn.microsoft.com, Stand Oktober 2026
  • Datenschutzkonferenz (DSK), Orientierungshilfe Künstliche Intelligenz und Datenschutz, Version 1.0 vom 6. Mai 2024, Rn. 13, 32, 41, 49 und 52, datenschutzkonferenz-online.de
  • open-isms, messages/durchgang (Punkte 2.2 und 5.1) und messages/assetInventory, github.com/NISD2/open-isms

In der Praxis

Wo das im Durchgang vorkommt

Im Durchgang werden daraus Schritte, die Sie ausfüllen, mit dem Gesetz jeweils daneben erklärt. Öffnen Sie einen Schritt, um ihn ausgefüllt am Beispiel einer erfundenen Firma zu sehen.

  1. Risikomanagement

    Aufschreiben, was Ihr Unternehmen hat

    Eine Liste der Abläufe, Programme und Geräte, mit denen Sie arbeiten.

  2. Lieferkettensicherheit

    Aufschreiben, wer für Sie arbeitet

    Eine Liste Ihrer Lieferanten und Dienstleister.

In Arbeit

Der DSGVO Durchgang

Nach dem NIS 2 Durchgang entsteht auf nisd2.eu ein DSGVO Durchgang. Er wird mit demselben MCP Server arbeiten, sodass Ihr eigener KI Assistent auch dort ausfüllen kann. Einen Termin nennen wir noch nicht. Wenn Sie sich vormerken, schreiben wir Ihnen, sobald er bereitsteht.

Mit einem kostenlosen Konto auf nisd2.eu. Die Vormerkung beenden Sie jederzeit auf derselben Seite.

Sie sollen sich um NIS2 kümmern?

Am Ende haben Sie alles in einem Dokument: was getan ist, was noch offen ist, und die Freigabe Ihrer Geschäftsführung mit Namen und Datum. Die Texte schreibt die App.

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