KI und Datenschutz im Unternehmen: was die DSGVO verlangt
Die DSGVO erwähnt KI nicht. Sobald ein KI Werkzeug personenbezogene Daten verarbeitet, gelten ihre allgemeinen Pflichten: eine Rechtsgrundlage, ein Vertrag mit dem Anbieter, die Regeln für Drittländer, Vorgaben für Beschäftigte und bei hohem Risiko eine Datenschutzfolgenabschätzung. Die Datenschutzkonferenz hat dazu 2024 eine Orientierungshilfe veröffentlicht.
Wann gilt die DSGVO für KI im Unternehmen?
Die DSGVO gilt für die automatisierte Verarbeitung personenbezogener Daten (Art. 2 Abs. 1), unabhängig vom Werkzeug; ihr Schutz soll technologieneutral sein (Erwägungsgrund 15). Ein KI Assistent fällt darunter, sobald Angaben zu einer bestimmten oder bestimmbaren Person hineingehen oder herauskommen (Art. 4 Nr. 1).
Das passiert schnell. Schon die Konten der Beschäftigten beim Anbieter enthalten personenbezogene Daten. Und auch eine Frage ohne Namen kann eine Antwort mit Personenbezug erzeugen, schreibt die Datenschutzkonferenz (DSK) in ihrer Orientierungshilfe zu KI vom 6. Mai 2024 (Rn. 52).
Verantwortlich bleibt Ihr Unternehmen, weil es über Zweck und Mittel entscheidet (Art. 4 Nr. 7), und es muss die Einhaltung nachweisen können (Art. 5 Abs. 2). Jeder Verarbeitungsschritt mit KI braucht eine Rechtsgrundlage (Art. 6 Abs. 1; DSK Rn. 9).
Art. 2 Abs. 1 · Art. 4 Nr. 1 und 7 · Art. 5 Abs. 2 · Art. 6 Abs. 1 DSGVO
Was prüfen Sie beim KI Anbieter?
Läuft die KI in der Cloud eines Anbieters, ist er nach der DSK häufig Ihr Auftragsverarbeiter, und Sie brauchen einen Vertrag nach Art. 28 Abs. 3 DSGVO, kurz AVV (Rn. 32). Arbeiten dürfen Sie nur mit Anbietern, die hinreichende Garantien bieten (Art. 28 Abs. 1).
Klären Sie, ob Eingaben und Ausgaben ins Training gehen und ob sich das ausschließen lässt. Vorzuziehen sind nach der DSK Anwendungen, die Ihre Daten nicht zum Training verwenden (Rn. 24).
Gehen Daten in ein Land außerhalb der EU, braucht es eine Grundlage nach Art. 44 ff., etwa einen Angemessenheitsbeschluss (Art. 45) oder die Standarddatenschutzklauseln der Kommission (Art. 46 Abs. 2 Buchst. c). Empfänger und Übermittlungen gehören ins Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten (Art. 30 Abs. 1 Buchst. d und e) und in die Datenschutzinformation (Art. 13 Abs. 1 Buchst. e und f).
Was die Anbieter schreiben (Stand Oktober 2026): OpenAI nutzt Daten aus ChatGPT Business, Enterprise und Edu standardmäßig nicht zum Training; seinen Vertrag zur Auftragsverarbeitung konnten wir nicht lesen. Anthropic handelt bei Claude for Work und der API als Auftragsverarbeiter, Microsoft bei Copilot, wie Organisationen ihn nutzen. Mehr dazu in unseren Artikeln zu ChatGPT und zu Claude.
Art. 28 Abs. 1 und 3 · Art. 30 Abs. 1 · Art. 44 bis 46 DSGVO
Welche Regeln brauchen Ihre Beschäftigten?
Die DSK geht davon aus, dass in vielen Unternehmen Beschäftigte KI eigenmächtig nutzen (Rn. 36). Sie rät zu dokumentierten Weisungen, ob, unter welchen Voraussetzungen und wofür welche KI Anwendung erlaubt ist, am besten mit Beispielen. Die DSGVO verlangt Schritte, damit Beschäftigte personenbezogene Daten nur auf Anweisung verarbeiten (Art. 32 Abs. 4).
Stellen Sie betriebliche Konten und Geräte bereit, damit niemand mit privaten Konten arbeiten muss (Rn. 41). Als datenschutzfreundliche Voreinstellung nach Art. 25 nennt die DSK Konten, deren Eingaben nicht ins Training gehen und die keine Eingabehistorie über die Sitzung hinaus speichern (Rn. 43).
Namen zu streichen, reicht nach der DSK regelmäßig nicht, weil der Zusammenhang die Person verraten kann (Rn. 49). Ergebnisse mit Personenbezug müssen geprüft werden, bevor sie weiterverarbeitet werden (Rn. 65).
Binden Sie den Datenschutzbeauftragten ein, und prüfen Sie, ob der Betriebsrat zu beteiligen ist, falls es einen gibt (Rn. 31). In einigen Fällen löst die Einführung einer KI Anwendung nach der DSK die Mitbestimmung aus (Rn. 37).
Art. 25 · Art. 32 Abs. 4 DSGVO
Wann braucht KI eine Datenschutzfolgenabschätzung?
Hat eine Verarbeitung, besonders mit neuen Technologien, voraussichtlich ein hohes Risiko für die Rechte und Freiheiten von Personen, schätzt der Verantwortliche vorab die Folgen ab (Art. 35 Abs. 1). Bei KI wird das nach der DSK vielfach der Fall sein (Rn. 39).
Die sogenannte Muss-Liste der DSK für den nichtöffentlichen Bereich nennt ausdrücklich KI, die die Interaktion mit Betroffenen steuert oder persönliche Aspekte bewertet (Nr. 11), etwa ein System, das Kunden im Gespräch berät und dabei ihre Daten verarbeitet.
Entscheidungen mit Rechtswirkung dürfen nach Art. 22 Abs. 1 grundsätzlich nur Menschen treffen, und zwar mit echtem Spielraum, schreibt die DSK (Rn. 12). Eine KI, die Bewerbungen auswertet und Einladungen selbst verschickt, nennt sie einen Verstoß (Rn. 13).
Art. 22 Abs. 1 · Art. 35 Abs. 1 DSGVO
Ein Beispiel, und was oft schiefgeht
Die Kemper Lohse GmbH, ein erfundener Hersteller von Förderbändern, stellt fest, dass im Vertrieb ChatGPT und in der Konstruktion Claude genutzt wird, jeweils mit privaten Konten. Sie wählt ein Werkzeug mit Geschäftsvertrag, legt den AVV ab und schreibt eine Nutzungsregel.
Die Personalabteilung darf KI für Stellenanzeigen nutzen, für die Auswahl von Bewerbern nicht. Für den geplanten Chatbot auf der Website prüft der Datenschutzbeauftragte, ob eine Datenschutzfolgenabschätzung nötig ist.
Häufige Fehler sind: keine Regel zu haben, sodass Beschäftigte eigenmächtig private Konten nutzen; den Anbieter zu prüfen, Verzeichnis und Datenschutzinformation aber nicht anzupassen; und Ergebnisse ungeprüft zu übernehmen.
Mit einem KI Assistenten
Ein Assistent kann aus Ihren Unterlagen die Nutzungsregel entwerfen, den AVV eines Anbieters mit Art. 28 Abs. 3 abgleichen und für jedes KI Werkzeug einen Eintrag im Verzeichnis vorbereiten.
Welche Werkzeuge erlaubt sind, auf welcher Rechtsgrundlage und ob eine Datenschutzfolgenabschätzung nötig ist, entscheidet Ihr Unternehmen mit seinem Datenschutzbeauftragten. Geben Sie dem Assistenten dafür Richtlinien und Verträge, keine Personaldaten, denn was er liest, verarbeitet sein Anbieter mit.
Ein DSGVO Durchgang auf nisd2.eu ist in Arbeit, mit demselben MCP Server wie der NIS 2 Durchgang. Über diesen Server trägt ein KI Assistent heute Angaben in den NIS 2 Durchgang ein, mit den Rechten der Person, die ihn verbunden hat.
Was der NIS 2 Durchgang davon schon festhält
Für NIS 2 halten Sie im Durchgang fest, welche KI Werkzeuge Ihr Unternehmen nutzt, wer sie liefert und welche Regeln für Zugänge gelten; für die DSGVO ist das Ausgangsmaterial.
2.2 Aufschreiben, was Ihr Unternehmen hat: Auf „Programme, die alle nutzen“ haken Sie „KI-Assistenten (ChatGPT, Microsoft Copilot)“ an. Auf „Welches Programm genau, und von wem?“ nennen Sie unter „Was genau“ jedes Werkzeug und unter „Von wem“ seinen Anbieter.
5.1 Aufschreiben, wer für Sie arbeitet: Die Anbieter aus 2.2 stehen schon auf „Ihre Lieferanten“. Unter „Was er für Sie tut“ schreiben Sie, wofür Ihre Leute das Werkzeug nutzen.
10.1 Das Konzept für Personal, Zugänge und IT schreiben: Die Vorlage legt schon fest, dass Neues auf die Liste kommt, bevor es genutzt wird. Unter „Weitere Regelungen“ ergänzen Sie, wer welches KI Werkzeug wofür nutzen darf; die Geschäftsführung gibt das Konzept in 7.3 frei.
Wo der Durchgang aufhört: Rechtsgrundlage, Auftragsverarbeitung, Übermittlungen und Datenschutzfolgenabschätzung fragt keiner dieser Bildschirme. Das gehört in Ihre Unterlagen zur DSGVO.
Häufige Fragen
Ist KI nach DSGVO erlaubt?
Die DSGVO verbietet keine Technik; ihr Schutz soll technologieneutral sein (Erwägungsgrund 15). Sie verlangt für jede Verarbeitung personenbezogener Daten eine Rechtsgrundlage und die übrigen Pflichten, gleich ob ein Mensch oder eine KI verarbeitet. Besondere Grenzen ziehen Art. 9 für Gesundheitsdaten und andere besondere Kategorien und Art. 22 für automatisierte Entscheidungen.
Dürfen Mitarbeiter private KI Konten nutzen?
Die DSK rät davon ab: Arbeitgeber sollten Geräte und Konten stellen, damit Beschäftigte nicht mit privaten Konten arbeiten müssen und keine Profile über sie entstehen (Rn. 41). Anthropic schließt in seinen Verbraucherbedingungen für den EWR geschäftliche Zwecke zudem aus.
Muss ich Kunden informieren, wenn ich KI nutze?
Geben Sie personenbezogene Daten in eine KI ein, informieren Sie die Betroffenen transparent darüber (DSK Rn. 48). Ihre Datenschutzinformation nennt die Empfänger und eine Übermittlung in Drittländer mit ihrer Garantie (Art. 13 Abs. 1 Buchst. e und f DSGVO). Erzeugt die KI Angaben zu Personen, die Sie weiterverwenden, kann zusätzlich Art. 14 greifen (Rn. 52).
Gilt neben der DSGVO auch der AI Act?
Die DSK rät zu prüfen, ob zusätzliche Anforderungen aus der europäischen KI Verordnung erfüllt werden müssen (Rn. 47). Was der AI Act von Unternehmen verlangt, die KI einsetzen, erklärt unser Artikel zu NIS 2 und AI Act.
Sind lokale KI Modelle datenschutzfreundlicher?
Die DSK hält technisch geschlossene Systeme für vorzugswürdig, bei denen die Daten in einer abgegrenzten Umgebung bleiben und nicht ins Training eines Anbieters gehen (Rn. 16 und 20). Betreibt Ihr Unternehmen die KI ausschließlich für eigene Zwecke auf eigenen Servern, ist es in der Regel alleiniger Verantwortlicher (Rn. 32). Die übrigen Pflichten der DSGVO gelten weiter.
Weiterlesen
- ChatGPT und Datenschutz im UnternehmenWas ein Unternehmen nach DSGVO prüft, bevor Beschäftigte ChatGPT nutzen: Rechtsgrundlage, Vertrag mit dem Anbieter, Übermittlung, Training.
- Datenschutzfolgenabschätzung (DSFA): wann PflichtWann Art. 35 DSGVO eine DSFA verlangt, was die Liste der Aufsichtsbehörden dazu sagt und wie Sie sie Schritt für Schritt durchführen.
- DSGVO mit einem KI Assistenten und MCP: was geht, was nichtWas ein Assistent für Verzeichnis, TOMs, Verträge und Datenpannen vorbereiten kann, was der Verantwortliche entscheidet, und was der NIS 2 Durchgang nicht enthält.
Quellen
- Verordnung (EU) 2016/679 (DSGVO), Erwägungsgrund 15, Art. 2, 4, 5, 6, 9, 13, 14, 22, 25, 28, 30, 32, 35 und 44 bis 46, ABl. L 119 vom 4.5.2016, CELEX 32016R0679, publications.europa.eu
- Datenschutzkonferenz (DSK), Orientierungshilfe Künstliche Intelligenz und Datenschutz, Version 1.0 vom 6. Mai 2024, datenschutzkonferenz-online.de
- Datenschutzkonferenz (DSK), Liste der Verarbeitungstätigkeiten, für die eine DSFA durchzuführen ist (nichtöffentlicher Bereich), Version 1.1, Nr. 11, datenschutzkonferenz-online.de
- OpenAI, ChatGPT Work cloud security, learn.chatgpt.com; Anthropic, Data Processing Addendum und Consumer Terms, anthropic.com/legal; Microsoft, Enterprise data protection in Microsoft Copilot, learn.microsoft.com; alle Stand Oktober 2026
- open-isms, messages/durchgang (Punkte 2.2, 5.1 und 10.1), messages/assetInventory und lib/durchgang/nis2.ts, github.com/NISD2/open-isms
In der Praxis
Wo das im Durchgang vorkommt
Im Durchgang werden daraus Schritte, die Sie ausfüllen, mit dem Gesetz jeweils daneben erklärt. Öffnen Sie einen Schritt, um ihn ausgefüllt am Beispiel einer erfundenen Firma zu sehen.
In Arbeit
Der DSGVO Durchgang
Nach dem NIS 2 Durchgang entsteht auf nisd2.eu ein DSGVO Durchgang. Er wird mit demselben MCP Server arbeiten, sodass Ihr eigener KI Assistent auch dort ausfüllen kann. Einen Termin nennen wir noch nicht. Wenn Sie sich vormerken, schreiben wir Ihnen, sobald er bereitsteht.
Mit einem kostenlosen Konto auf nisd2.eu. Die Vormerkung beenden Sie jederzeit auf derselben Seite.
Sie sollen sich um NIS2 kümmern?
Am Ende haben Sie alles in einem Dokument: was getan ist, was noch offen ist, und die Freigabe Ihrer Geschäftsführung mit Namen und Datum. Die Texte schreibt die App.


